Neuauflage der Chronik des Stadtteils von Obbornhofen

Neuauflage der Chronik des Stadtteils von Obbornhofen

Auf Basis der ersten Chronik von Hans Kammer hat Gerald Hänsel die Chronik unseres Ortes komplett neu aufgebarbeitet – besten Dank.

Geographische Lage

Im Südwesten des Stadtgebietes Hungen, schön am Hang gelegen, so präsentiert sich das alte Dörfchen Obbornhofen. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Höhenzüge des Vogelsbergs, der seinen Namen vermutlich der Vielfalt seiner Vogelwelt verdankt und vor vielen Millionen Jahren durch Vulkanausbruch entstanden ist. Obbornhofen ist seit der Gebietsreform mit Wirkung vom 01.01.1977 der 11. Stadtteil und zugleich nach Altenstadt der älteste urkundlich erwähnte Ort der gesamten Region Oberhessen. Unmittelbar schließt er an die fruchtbare Wetterau an. Im Ort leben 859 Einwohner (Stand: 30.06.2018).

Urkundliche Erwähnung, Entwicklung, Persönlichkeiten

Am 5. November 767 wurde im Lorscher Codex (Kloster Lorsch bei Heppenheim an der Bergstraße) folgender Eintrag vorgenommen: Die Herrschaften von Burgund schenken ihren Besitz im damaligen Dorf Oberenhouen[1] im Gau Wetterau an das Kloster Lorsch. Als Grund wurde angegeben: „Zur Rettung ihres Seelenheils“. Zum Schutz gegen äußere Feinde war das Dorf früher von einem Haingraben umgeben. Ins freie Land führten die Oberpforte (Richtung Münzenberg, das Falltor (Richtung Wohnbach) und die Unterpforte (vermutlich Richtung Bellersheim). Politisch gehörte Obbornhofen im Mittelalter zum Gebiet der Herrschaft von Münzenberg. Nachdem die Münzenberger Linie ausgestorben war, folgten die Falkensteiner. Seit 1419 zählte Obbornhofen zur Linie Solms-Braunfels des Grafengeschlechts Solms. Das 1550 erbaute Rathaus ist das älteste Rathaus im heutigen Landkreis Gießen. Es war Amtssitz des Bürgermeisters und beherbergte zugleich die Geräte der Feuerwehr. Von 1945 bis zur Eingliederung nach Hungen Anfang 1977 verrichteten in dem Gebäude mit Erich Henzel (von 1945-1956 und von 1960 bis Ende 1976) sowie Valentin Möbus (von 1956 bis 1960) zwei Bürgermeister ihren ehrenamtlichen Dienst. Heute bildet das alte Rathaus mit dem Gebäude des Heimatmuseums ein das Ortsbild prägendes Fachwerk-Ensemble. Gegen ein festgesetztes Nutzungsentgelt können Heiratswillige das ehemalige Dienstzimmer des Bürgermeisters für standesamtliche Trauungen buchen. Neben Rathaus, Heimatmuseum und Obborn-Gebäude (Pumpwerk, Turm) zählen die zahlreichen, in langen Reihen angeordneten Felsenkeller am Westrand der alten Ortslage wegen ihrer wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung zu den Kulturdenkmälern im Land Hessen. Diese mit Bruchsteinstirnwandungen versehenen, flach überwölbten Erdkeller entstanden wohl im frühen 19.Jahrhundert. Sie dienten den Nutzungsberechtigten bis in das 20.Jahrhundert der Vorratshaltung.

Seit der Eingliederung nach Hungen nimmt der Ortsbeirat die Interessen des Dorfes gegenüber den städtischen Gremien wahr. An seiner Spitze steht der Ortsvorsteher.  Die Funktion des Ortsvorstehers übten bisher aus: Erich Henzel (von Januar bis März 1977), Willi


[1] villa Oberenhouen (Codex Laureshamensis), Quelle: Obbonhofen, Gemeinde Hungen, in: Historisches Ortslexikon

Kammer I. (von März 1977 bis 1989), Josef Seliger (von 1989 bis !991), Rolf Glockengießer (von 1991 bis 1993), Horst Hahn (von 1993 bis 1997), Friedrich Walter (von 1997 bis 2006),  Willy Zimmer (von 2006 bis 2011), Dirk Bommersheim (von 2011 bis 2016), Willy Zimmer (von 2016 bis 2021), Steffen Wolf (seit Mai 2021).

Zwei herausragende Persönlichkeiten des Dorfes waren Gustav Lorenz und Karl Henzel. Gustav Lorenz, geboren am 04.02.1846 in Obbornhofen, entwickelte ein Serum gegen die damals gefürchtete Rotlaufsimultanseuche, die häufig Schweine befiel. Der Tiermediziner war nach seinem Studium zunächst als Kreisveterinär in Oberhessen tätig. Später ging er als Landesgestüts- und Hofveterinärarzt nach Darmstadt und wirkte schließlich noch als Referent für das öffentliche Gesundheitswesen im Ministerium des Innern. Für seine Erfindung erhielt er bei der Weltausstellung in St. Louis (USA) die Silbermedaille. In Obbornhofen ist ein Weg nach ihm benannt.

Karl Henzel (1876 bis 1959, von Beruf Maurer, Land- und Gastwirt -“Zur neuen Welt“) war seit seinem 18.Lebensjahr bis zu seinem Tod Mitglied der SPD. Er gehörte von 1904 bis 1908 dem Provinzialtag der Provinz Oberhessen an, war seit 1907 Mitglied des Gemeinderats in Obbornhofen und nach dem ersten Weltkrieg von 1921 bis 1924 Mitglied des Landtags des Volksstaates Hessen sowie seit 1919 für viele Jahre Beigeordneter der Gemeinde und schließlich von 1946 bis 1956 Abgeordneter des Kreistages des Landkreises Gießen.

Name, Obbornquelle

Der Name des Dorfes dürfte abgeleitet sein von den „Oberen Höfen“ und hat mit der Obbornquelle nur insoweit zu tun, als sie wohl der Grund dafür war, dass vermutlich Alemannen oder Chatten in grauer Vorzeit (2. bis 3. Jahrhundert n.Chr.) dort sesshaft geworden sind. Darauf deutet die Endung „hofen“ hin. Seinen Namen hat der Brunnen erst sehr viel später erhalten. Viele Jahrzehnte spendete er das Trinkwasser für die Bevölkerung.   Früher war dieser Platz ein beliebter Treffpunkt im Ort. Beim Wasserschöpfen konnten die DorfbewohnerInnen alle Neuigkeiten erfahren. Manche Ehe soll hier sogar gestiftet worden sein. Auch Pferde, Kühe und Gänse wurden dorthin geführt, um den Durst zu löschen. Das überschüssige Wasser floss oberirdisch durch das Dorf und ermöglichte um 1600 den Bau und Betrieb der „Scheffer-(Wasser-)Mühle“ (Kommenturgasse/Ecke Kälbergasse). Im Jahre 1927 verkaufte die Gemeinde die Obbornquelle an die HEFRAG (Hessisch Frankfurt AG), die das Wasser zur Kühlung des in Wölfersheim betriebenen Schwelkraftwerks nutzte. Von dem Verkaufserlös finanzierte sie 1928 den Bau der örtlichen Wasserleitung. In den Jahren nach dem 2.Weltkrieg entwickelte sich der Platz um die Obbornquelle zusehends unansehnlicher. Das vorgelagerte Becken war eingezäunt und diente der Feuerwehr als Löschteich.

Nachdem die Stadt Hungen die Quelle wieder erworben hatte, gab es Überlegungen zur Neugestaltung des Platzes. Im Februar 2001 gründete sich auf Initiative von Willy Zimmer, Hans Kreß und Gerald Hänsel die „Interessengemeinschaft Obborn“. Ziel war es, das Becken bürgerInnen- und vor allem kinderfreundlich herzurichten und die Löwenköpfe wieder sprudeln zu lassen. Mit Unterstützung der städtischen Gremien gelang dieses Projekt mit tatkräftiger Hilfe zahlreicher HelferInnen in ca. 1046 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden. Entstanden sind kaskadenförmige Wasserbecken (neuerdings mit einem durch Geländer gesicherten Kneipp-Becken), die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Kirche, Synagoge

Bereits 1401 muss in Obbornhofen eine Kirche vorhanden gewesen sein, da in einem Vertrag des Klosters Arnsburg mit Konrad von Bellersheim ein Altar in Obbornhofen genannt wird. Seit der Reformation hatte das Dorf eine eigene Pfarrei. 1566 ist ein Kirchenbau nachgewiesen. 1741 wurde das evangelische Gotteshaus wegen Baufälligkeit abgerissen, nur der Chor blieb erhalten. 1742 wurde die neue Kirche vollendet. Eine Erneuerung der Kirche mit ihrem weithin sichtbaren Dachreiter –dem Finger Gottes– im Inneren und Äußeren sowie der Einbau einer neuen Orgel erfolgte 1911. In der Folgezeit wurden mehrere Reparaturen vorgenommen. Die letzte große Renovierung begann 2018 und dauerte fast zwei Jahre. Während der Renovierungsarbeiten wurde ein „dendrochronologisches Gutachten“ über das Alter des verbauten Holzes erstellt. Danach sind der Chor und der Turm der Kirche etwa 520 Jahre alt (Fällung der Eichen 1489/90, Einbau 1490).

Seit 1973 besitzt die Evangelische Kirchengemeinde ein Gemeindehaus. Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus steht der Dorfbevölkerung für Begegnungen und kleine Feiern zur Verfügung.

Seit 1579 haben 26 Pfarrer (darunter 2 Pfarrerinnen) die Kirchengemeinde betreut.  Spitzenreiter in der Verweildauer ist Johann Peter Marchand mit stolzen 52 Jahren (1750-1802). Das zuletzt auf der gemeinsamen Pfarrstelle mit Bellersheim tätige Pfarrerehepaar Beate und Johannes Fritzsche ist 2021 in Ruhestand gegangen. Bedingt durch den in den letzten Jahren (nicht nur in Obbornhofen und Bellersheim) zu verzeichnenden Rückgang der Zahl der Gemeindemitglieder werden beide Kirchengemeinden zukünftig keine volle Pfarrstelle mehr erhalten.

In Obbornhofen gab es auch Personen jüdischen Glaubens.  1830 waren es 26 jüdische von insgesamt 506 Einwohnern. 1933 lebten hier nur noch sechs Juden. Jüdische Einrichtungen waren eine gemeinsam mit den Juden aus Bellersheim und Wohnbach genutzte Synagoge (heute im Privatbesitz), eine Religionsschule (wohl in der Synagoge), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Letzterer diente als Ruhestätte für die jüdischen MitbürgerInnen der drei Orte. Beim Novemberpogrom 1938 zerstörten vom Ortsgruppenleiter der NSDAP aufgewiegelte Personen das Innere der Synagoge. Zehn- bis zwölfjährige Kinder trugen die Ritualien und andere Einrichtungsgegenstände auf eine Wiese. Dort wurden diese verbrannt.

Schule, Kindergarten

Von 1668 bis 1700 war Johann Hartmann Feuerbach Dorfpfarrer, zugleich auch Dekan für Wölfersheim und Gambach. Darüber hinaus errichtete er in Obbornhofen ein pädagogisches Institut, in dem er ständig 60 Schüler, die er allein unterrichtete, auf das Universitätsstudium vorbereitete.

Eine Schule bestand in Obbornhofen bereits vor dem Jahre 1600. Die Lehrkräfte waren meist junge Theologen, später auch Handwerker- oder Bauernsöhne, die neben dem Unterricht ihr Handwerk bzw. die Landwirtschaft betrieben. Die Besoldung erfolgte vorwiegend durch eine Fruchtabgabe der Bevölkerung, später auch durch einen geringen Schullohn. Die alte Schule gegenüber dem Rathaus (heute Heimatmuseum) wurde viele Jahre einklassig geführt. Im Jahre 1887 entschloss sich die Gemeinde, in der Schulstraße ein neues Schulgebäude zu errichten. Diese konnte 1900 bezogen werden. Fortan war das 1. bis 4. Schuljahr die „kleine Schule“, das 5.-8- Schuljahr die „große Schule“. Seit 1965 besuchten die Schüler und Schülerinnen der Klassen 5 bis 8 die Mittelpunktschule in Hungen. Seit 1973 bestand ein Verbund mit der Grundschule in Bellersheim. 1984 beschloss der Schulträger, die beiden selbstständigen Schulen aufzulösen und eine neue Schule, die Grundschule Bellersheim-Obbornhofen, zunächst noch an beiden Standorten zu gründen. Das von dem damaligen Schulleiter Günther Pohl für die Schule konzipierte und von den Schulbehörden genehmigte reformpädagogische Jenaplan-Konzept sowie der Betrieb als Ganztagsschule mit Mittagessen haben deren Erhalt am verbliebenen Standort Obbornhofen bis heute gesichert.

Für die frühkindliche und vorschulische Bildung und Erziehung sorgt die Kindertageseinrichtung „Regenbogenland“. Sie wurde im August 1963 als Kindergarten Obbornhofen mit einer Gruppe eröffnet. Heute betreuen unter Leitung von Sabine Müller-Leschhorn die Erzieherinnen und ein Erzieher in drei Gruppen bis zu 50 Kindern im Alter von einem Jahr bis zum Schuleintritt. Das Betreuungsangebot wird regelmäßig weiterentwickelt und dem Bedarf der Kinder angepasst.

Dorfjubiläen, Dorferneuerung

Vom 15.07. bis zum 17.07.1967 feierte das Dorf sein 1200jähriges Jubiläum. Es war das,

wie es Hans Kammer formulierte, Fest der Feste, bei dem nahezu alle Dorfbewohner nach bestem Können und Vermögen mitmachten. Am Festsonntag zog ein historischer Festzug durch die Straßen und Gassen des Ortes. Beteiligt waren nur Obbornhofener Bürgerinnen und Bürger. Selbst auf dem mitfahrenden „Licher 6er-Zug“ standen nur junge Obbornhofener, die die Ortsgeschichte darstellten.

Die im Dorf vorhandenen Ideen und die Bereitschaft zur Gestaltung und Entwicklung des Ortsbildes und des Zusammenhaltes zeigten sich auch in der Phase der Dorferneuerung. Im Dezember 2001 hatte das hessische Fachministerium Obbornhofen als Förderschwerpunkt der Dorferneuerung anerkannt. Damit konnten für einen Zeitraum von 9 Jahren öffentliche und private Projekte gefördert werden. In mehreren Arbeitsgruppen zu einzelnen Themenfeldern entstand ein Maßnahmenkatalog in einem Gesamtvolumen von 655.000 Euro. Realisiert wurden u.a. die Erweiterung des Heimatmuseums (Scheune), Einrichtung eines Jugendraums im Bürgerhaus, Gestaltung des Bürgerhausvorplatzes, Gestaltung des Obborn-Umfeldes und die Errichtung einer Wasserzapfstelle in der Nähe des Hofguts (zunächst nur für die Landwirtschaft).

Das nächste große Jubiläumsfest, die 1250-Jahrfeier, fand vom 25.05. bis 28.05.2017 statt. Die Festgemeinschaft hatte ein ansprechendes, dem Ereignis angemessenes Programm zusammengestellt, das viele Besucher aus nah und fern begeisterte. Beginnend mit dem Dorffrühstück im restlos ausverkauften Festzelt, über die musikalischen Darbietungen am zweiten und dritten Festtag war am Schlusstag der stehende Festzug mit insgesamt 26 Stationen der absolute Höhepunkt dieser rundum gelungenen Veranstaltung.

Vereinsleben

Vereine stellen einen unerlässlichen Faktor in einem funktionierenden Gemeinwesen dar. Ungeachtet der sozialen Herkunft schließen sich in ihnen Menschen für einen dauerhaften gemeinsamen Zweck sportlicher, ideeller, gesellschaftlicher oder auch ökologischer Art zusammen. Dies fördert die Gemeinschaft und den Zusammenhalt.

Nachdem während des zweiten Weltkriegs jegliche Vereinstätigkeit ruhen musste, gab es 1947 in Obbornhofen nur vier Vereine, bereits 1967 derer sieben und 2007 sogar 18 Vereine mit insgesamt 1255 Mitgliedern. In der Festschrift zur 1250-Jahrfeier sind 15 Vereine aufgelistet, die sich im Einzelnen anschaulich dargestellt haben. Die seinerzeit festzustellenden überaus regen und vielfältigen Aktivitäten sind infolge der Corona-Pandemie seit nunmehr eineinhalb Jahren fast vollständig zum Erliegen gekommen. Übungsstunden, Auftritte und Wettbewerbe fielen aus oder wurden sogar abgebrochen, Jubiläumsfeiern, Versammlungen und gesellige Zusammenkünfte konnten nicht stattfinden. Jetzt, im Juni 2021, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Für den Spätsommer/Herbst zeichnet sich bei der gebotenen Vorsicht und gegenseitigen Rücksichtnahme eine behutsame Rückkehr zur Normalität ab.

Der mitgliederstärkste Verein ist der Sport- und Kulturverein (SKV) Obbornhofen, dessen Vorläufer am 20. Juni 1920 als Turnverein „Gut Heil“ entstanden war. Die aktiven Turner waren sehr engagiert und erfolgreich. 1933 trat der Turnverein „Gut Heil“ geschlossen zur Deutschen Turnmeisterschaft an. Während der Jahre 1935 bis 1945 ruhte die Vereinstätigkeit. Im Oktober 1945 gründete sich in einer Versammlung unter Vorsitz von Erich Henzel der Verein neu. Im Jahre 1947 erfolgte die Umbenennung in SKV. Im Juni 2021 beläuft sich die Mitgliederzahl auf 332. Der Verein wird von Klaus Jäckel, Steffen Wolf und Sabine Walter geführt. Ehrenvorsitzender ist Edmund Bommersheim. Nach ihm ist das im Eigentum des Vereins stehende Sportheim benannt. Seit 1997 besteht im Bereich des Seniorenfußballs eine Spielgemeinschaft (SG) mit dem TSV Bellersheim. Die SG spielt in der Kreisoberliga Gießen/Marburg, Gruppe Süd, und ist damit die Klassen höchste Mannschaft im Stadtgebiet. Neben Fußball bietet der Verein einen Lauftreff, jährliche Vorbereitungen und Abnahme des Sportabzeichens sowie Gymnastikstunden an. Die 2020 ausgefallene 100-Jahrfeier soll im August 2021 in „abgespeckter Form“ nachgeholt werden.

Der SKV unterhält keine eigene Abteilung Jugend- und Juniorenfußball (mehr). Diese Sparte hat der Juniorenförderverein (JFV) Wetterau 2012 übernommen. In diesem Verein mit Sitz in Obbornhofen haben sich die sieben Stammvereine aus Bellersheim, Berstadt, Inheiden, Obbornhofen, Trais-Horloff, Utphe und Wohnbach mit dem Ziel zusammengeschlossen, die fußballerische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen durch optimale Trainingsarbeit zu verbessern. Derzeit gibt es 13 Mannschaften mit 180 Aktiven. Jährlich stattfindende Fußballcamps, das Pfingstturnier, Stadionfahrten und andere Ausflüge fördern die Gemeinschaft und den sozialen Zusammenhalt. Vorsitzender ist Thomas Schneider. Der Verein hat 60 passive Mitglieder.

Der 1963 gegründete Schützenverein stellt Mannschaften in den Disziplinen Luftgewehr und Luftpistole. Standen die Schießstände zunächst im Saalbau der Gastwirtschaft „Zur neuen Welt“ (Henzel), werden seit 1976 zwei Räume im Kellergeschoss des Erweiterungsbaus des Bürgerhauses für die Trainingseinheiten und Wettkämpfe genutzt. Im Jahr 2007 ist das Bogenschießen als weitere Disziplin hinzugekommen. Das Training findet im Sommer auf dem unteren Sportplatz und im Winter im Saal des Bürgerhauses statt. Vorsitzender und aktives Mitglied des Vereins ist Dr. Michael Lowin. Der Verein zählt 135 Mitglieder (Stand: Juni 2021).

Der Tennisclub 1980 Obbornhofen unterhält drei Plätze auf dem Gelände des früheren Steinbruchs. Die sukzessive Senkung der Plätze machte bereits eine großflächige Sanierung erforderlich. Vorsitzender ist Rudolf Bergmann. Der Verein hat 108 Mitglieder (Stand: Juni 2021). Er ist besonders in der Jugendarbeit aktiv. Hervorzuheben sind die Tennis-Kindergarten-AG, die Schnupperkurse für Kinder und Jugendliche sowie die jährliche Teilnahme an den Ferienspielen der Stadt Hungen. Nach dem Rückzug des Damenteams wird in der kommenden Medenrunde ein U18-Team mit acht Spielern in einer Spielgemeinschaft mit dem TC Wölfersheim an den Start gehen.

Ältester Verein im Dorf ist der 1903 gegründete Gesangverein Frohsinn. Während der Dauer beider Weltkriege ruhte die Vereinstätigkeit. Nach dem 2.Weltkrieg wurde sie 1947 zunächst innerhalb des SKV wieder aufgenommen. Seit 1949 ist der Verein erneut eigenständig. Gab es früher einen reinen Männerchor, kam es 1978 nach der 75-Jahrfeier zum Zusammenschluss mit dem kurz zuvor gebildeten Frauenchor. Hervorzuheben ist das ungewöhnlich lange Engagement von Reinhold Glockengießer, der bis 1982 insgesamt 54 Jahre (!) als Dirigent wirkte. Aktuelle Dirigentin ist Svetlana Laubach. Von den derzeit 53 Mitgliedern sind noch etwa 20 als Sängerinnen und Sänger aktiv. Aufgrund der stetig rückläufigen Anzahl an Aktiven gab es bis vor Beginn der Pandemie eine Kooperation mit den Gesangvereinen aus Bellersheim und Griedel.  Insbesondere wegen der ungünstigen Altersstruktur erscheint der Fortbestand des Vereins gefährdet.

Das Vocalensemble Lampenfieber war bereits seit 1992 als „kleiner Chor“ Teil des Gesangvereins Frohsinn. Anstoß war die Überlegung, moderne Chorliteratur anzubieten. Seit 2012 existiert das Ensemble als eigenständiger Verein. Unter der musikalischen Leitung von Svetlana Laubach hat das Ensemble sein Repertoire stetig erweitert, gefestigt und ausgebaut. Vorsitzende ist Ursula Schaschek. Von den 50 Mitgliedern sind 32 aktive Sängerinnen und Sänger.

Schon 1893 gab es in Obbornhofen eine Pflichtfeuerwehr, der alle männlichen Einwohner angehörten. 1936 gründeten 36 Pflichtfeuerwehrmänner die Freiwillige Feuerwehr. Zu unterscheiden gilt es heute zwischen der öffentlichen (städtischen) Einrichtung, die aus der Einsatzabteilung (28 Mitglieder, davon 3 auswärtige Mitarbeiter der Firma Metax) und der Jugend- und Kinderfeuerwehr besteht, und dem (privaten) Feuerwehrverein. Wehrführer und damit Leiter der Einsatzabteilung ist Thomas Willa, die Jugendfeuerwehr (10 Mitglieder, davon 5 Mädchen) und Kinderfeuerwehr (12 Mitglieder, davon 5 Mädchen) leiten Patrick Steinke bzw. Marianne Reichhart. Der Einsatzabteilung steht ein LF 10-Fahrzeug zur Verfügung. Bei größeren Einsätzen findet eine gemeinsame Alarmierung mit den Feuerwehren aus Bellersheim und Utphe statt. Den Vorsitz des Vereins hat Jens Albach inne. Dem Verein gehören 226 Mitglieder an (Stand: Juni 2021).

Der Obst- und Gartenbauverein hatte bei seiner Gründung 1935 eine sehr viel wichtigere Bedeutung als heute, auch wenn er im weiteren Sinne jetzt vor allem Naturschutz betreibt. Damals waren die Menschen auf das heimische Obst und die Ernte im eigenen Garten angewiesen. Seine vordringlichste Aufgabe sieht der Verein heute in der Pflege von mehr als 100 überwiegend im Streuobstgürtel stehenden Hochstammobstbäumen. Daneben ermöglicht er regelmäßig Kindergartenkindern, im Vereinsgarten spielerisch die Natur zu erkunden und zu erleben. Vorsitzender des 69 Mitglieder (62 Erwachsene, 7 Kinder) starken Vereins ist Horst Grießl.

Nach der 1200-Jahrfeier 1967 hoben 31 Gründungsmitglieder den Heimatverein aus der Taufe. Seine Aufgabe: ein Heimatmuseum aufzubauen. Aus kleinen Anfängen im ehemaligen Singsaal der alten Schule entwickelte sich 1980 mit der Überlassung des gesamten Anwesens   durch die Stadt Hungen das Museum. Anlässlich der 25-Jahrfeier im Jahre 1992 arrondierte die Stadt Hungen das Museum mit seinen mehr als 2600 Ausstellungsstücken um das frisch renovierte Alte Rathaus.  Neben seiner Nutzung als Standesamt finden dort hin und wieder Sonderausstellungen statt.   Im Jahre 2007 wurde eine 198 Jahre alte Scheune aus Unter-Widdersheim dem Heimatverein zur Nutzung übergeben. Dem langjährigen, im April 2015 verstorbenen Vorsitzenden Hans Kammer war es ein besonderes Anliegen, die oberhessische Mundart im und durch den Verein zu pflegen. Er selbst hat eine Vielzahl von Mundartgedichten und -geschichten verfasst. Weil aber in den Familien und im privaten Umfeld kaum mehr platt gesprochen wird. ist Skepsis angebracht, ob die Mundart in den nachfolgenden Generationen noch eine nennenswerte Rolle spielen wird. Aktueller Vorsitzender ist Willy Zimmer. Der Mitgliederstand beläuft sich auf 142 (Stand: Juni 2021).

Die Natur- und Vogelschutzgruppe Obbornhofen/Bellersheim entstand im Jahre 1980 zunächst als reine Vogelschutzgruppe mit dem Schwerpunkt Höhlenbrüter. Mit der Entscheidung, sich an den Richtlinien des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zu orientieren, erfolgte die Namensänderung in Natur- und Vogelschutzgruppe. Alle Mitglieder des Vereins sind zugleich NABU-Mitglieder. Die Aktivitäten drehen sich nun um den Erhalt von Fauna und Flora. Vorsitzende ist Jutta Zimmer. Dem Verein gehören 94 Mitglieder an (Stand: Juni 2021).

Seit 1950 gibt es in unserem Dorf auch einen Landfrauenverein, dessen Bedeutung sich im Wandel der Zeit stark verändert hat. Ging es damals vor allem um die Sorgen und Nöte der typischen Bauersfrau, stehen heute besonders Themen aus Kultur und Bildung sowie die Pflege sozialer Kontakte auf dem Programm. Einige Themenabende mit interessanten Referenten werden gemeinsam mit der Natur- und Vogelschutzgruppe organisiert. Vorsitzende ist Ute Schmidt. Der Verein zählt 85 Mitglieder.

Weitere Vereine erweitern das Spektrum möglicher ehrenamtlicher Aktivitäten zum Wohle der Gemeinschaft:

- Die Fördervereine des Kindergartens Regenbogenland sowie der Jenaplanschule

- Eintracht-Fanclub; Bayern-Fanclub

- Ranch-Gemeinschaft Obbornhofen

- Traktorclub Bellersheim/Obbornhofen

Infrastruktur

Die Infrastruktur hat sich in den letzten Jahrzehnten negativ entwickelt. Im Jahre 1980 gab es die Grundschule, den Kindergarten, das Bürgerhaus mit der Bürgerhausgaststätte und dem Feuerwehrgerätehaus, zwei Lebensmittelgeschäfte, je eine Bank- und Sparkassenfiliale, die Poststelle und eine Backstube mit Verkaufsladen. Heute sind nur noch die Grundschule, der Kindergarten, das Bürgerhaus (ohne Gaststätte) und ein kleiner Dorfladen vorhanden. Diese Entwicklung spiegelt das allgemeine Problem des ländlichen Raums wider. Auch hinsichtlich der Arbeitsplätze hat sich ein deutlicher Wandel ergeben. Früher war das Hofgut ein bedeutender Arbeitgeber im Ort. Bis zum 2.Weltkrieg arbeiteten dort 50 MitarbeiterInnen u.a. als Gespannführer, Schweinemeister, Pferdewirt, Melker und Schmied. Heute sind noch zwei Mitarbeiter und ein Azubi auf dem Hof beschäftigt. Größter Arbeitgeber ist derzeit die Firma METAX Kupplungs- und Dichtungstechnik GmbH. Das familiengeführte Unternehmen der Familie Bommersheim bietet zurzeit 50 Arbeitsplätze an. Darüber hinaus stehen Ausbildungsplätze für die Berufe Industriekaufmann/-frau und ZerspannungsmechanikerIn zur Verfügung. Überregionale Bedeutung hat auch die von Daniel Gal gegründete Firma GAL Digital GmbH, die als Mobile- & Internetagentur lokal ansässigen Unternehmen und internationalen Kunden in allen digitalen Fragen zur Seite steht. Sie beschäftigt 36 „Digital Natives“. Ein weiteres familiengeführtes Unternehmen ist die Rieb Gerüstbau GmbH, welches aktuell 15 Mitarbeiter beschäftigt. Darüber hinaus gibt es einige weitere Unternehmen und Handwerker, darunter Autohaus Klaus Schmit, Baumontage Markus Zulauf, Bautenschutz Fröhlich, BBQ Schmidt, Dachtechnik Richter GmbH, Fliesen Keuchler, GaLaBau Nagel, LG Health & Beauty Anna Schmidt, made of timber, Metzgerei und Partyservice Dennis Alfen, Musikschule Klanginsel, O.H.R Ackergut GmbH & Co. KG, O.H.R Kornkammer GmbH & Co. KG, obbserv Tobias Langheinrich, Oliver Becker Landtechnik, Parkett Schweitzer, Raumdesign Steinke, Schreinerei Holler, Skillerz Ink Custom Tattoos, Steinmetz Alexander Horst, Tattoo Studio Forever, Thermomix Repräsentantin Anna Schmidt, Tischlermeister Kay Wozniak, Vanni's Haarwerkstatt und zetdesign Willy Zimmer. 

Eine Schlussbemerkung: In unserem Dorf haben einige junge Männer in den letzten Jahren die Schafhaltung als Hobby entdeckt. Dies fügt sich in das Bild der Schäferstadt Hungen ein.

Quellen: Chroniken 1200- und 1250-Jahre Obbornhofen; Stadtarchiv

Gerald Hänsel                                                                             Hungen-Obbornhofen, Juni 2021

Neuauflage der Chronik des Stadtteils von Obbornhofen

Gerald Hänsel

Autor dieses Beitrags

Als Ortsbeirat und darüber hinaus engagiere ich mich für unseren Ort.